Entdecken Sie die neuesten Trends und strategischen Einsichten in der Mai 2026 Ausgabe des «Marktkompass».
Die globalen Aktienmärkte haben sich im April trotz anhaltender geopolitischer Spannungen deutlich erholt. Eine überraschend starke Berichtssaison, nachlassende Marktsensibilität gegenüber geopolitischen Schlagzeilen und robuste Unternehmensgewinne prägten das Bild. Gleichzeitig mahnen der schwelende Iran-Konflikt und ein hartnäckig erhöhtes Energiepreisniveau zur Vorsicht.
Iran-Konflikt als struktureller Risikofaktor – Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran bleibt ein dominierender Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte. Diplomatische Fortschritte sind weiterhin ausgeblieben, die Verhandlungen verlaufen schleppend, und die Positionen rund um die Kontrolle der Strasse von Hormus haben sich kaum angenähert. Obwohl eine vollständige Blockade bislang ausblieb, unterstreichen anhaltende Störungen im Schiffsverkehr die strukturelle Verwundbarkeit globaler Energieflüsse. Am Ölmarkt hat sich eine persistente geopolitische Risikoprämie etabliert. Für die Kapitalmarktperspektive bedeutet dies: Ein dauerhaft erhöhtes Energiepreisniveau würde Inflationsrisiken verstärken, Unternehmensmargen unter Druck setzen und den geldpolitischen Spielraum weiter einschränken.
Earnings Season als Stabilitätsanker – Die Berichtssaison für Q1 2026 präsentiert sich bislang stärker als erwartet und fungiert als zentraler Treiber der Markterholung. Eine Mehrheit der Unternehmen übertrifft die Gewinnerwartungen, wobei insbesondere die Höhe der positiven Überraschungen hervorsticht. Auch auf der Umsatzseite zeigt sich eine solide Entwicklung. Der S&P 500 legte im April um beeindruckende 10.4% zu und erreichte ein neues Allzeithoch. Im regionalen Vergleich entwickelten sich europäische Märkte verhaltener: EuroStoxx 50 (+5.6%), Stoxx Europe 600 (+4.8%) und SPI (+4.0%).
Zentralbanken im Wartemodus – Die Fed hat den Leitzins im April unverändert gelassen und vermittelt eine abwartende Haltung, wobei ihr Ton zuletzt leicht in Richtung einer möglichen Lockerung tendierte. Investoren haben ihre Erwartungen an Zinssenkungen deutlich zurückgeschraubt. Die EZB präsentiert sich im Vergleich klar restriktiver und signalisiert trotz schwächerer Konjunkturdaten eine mögliche weitere Straffung. Beidseits des Atlantiks deutet sich ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld an. Mit dem Ende der Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Vorsitzendem rückt Kevin Warsh in den Fokus – insbesondere die Frage, inwieweit seine geldpolitische Ausrichtung von den öffentlich formulierten Zinssenkungserwartungen Donald Trumps beeinflusst wird.
Hyperscaler – Nachfrage schlägt Skepsis – Die grossen Hyperscaler Amazon, Alphabet und Microsoft standen erneut im Investorenfokus. Seit Ende 2022 sind deren Investitionen in Rechenzentren von rund USD 30 Mrd. auf über USD 110 Mrd. pro Quartal gestiegen. Noch dynamischer entwickelte sich jedoch der vertraglich gesicherte Auftragsbestand: von etwa USD 364 Mrd. auf rund USD 1.46 Bio. per Ende Q1 2026 – ein rund 4-mal schnelleres Wachstum als die Investitionen. Die Nachfrage nach KI- und Cloud-Kapazitäten ist damit nicht spekulativ, sondern vertraglich gesichert. Das spricht für eine disziplinierte Kapitalallokation und ein robustes fundamentales Umfeld für die gesamte KI-Wertschöpfungskette.
Apple – Ende einer Ära – CEO Tim Cook tritt ab. Seit seinem Amtsantritt 2011 erzielte die Apple-Aktie rund 20% Rendite pro Jahr und übertraf damit klar den Gesamtmarkt. Treiber waren der Ausbau des margenstarken Servicegeschäfts, die stärkere Monetarisierung des Ökosystems sowie umfangreiche Aktienrückkäufe.
Ausblick und Positionierung – Das Chancen-Risiko-Profil für die globalen Aktienmärkte bewerten wir als ausgewogen, mit klarer Präferenz für die USA dank robuster Gewinndynamik und hoher Geschäftsmodellqualität. In der taktischen Vermögensallokation halten wir an unserer neutralen Positionierung fest: Cash 2/5, Anleihen 3/5, Aktien 3/5, Alternative Anlagen 4/5. Gold bleibt stark übergewichtet – die jüngste Preiskorrektur interpretieren wir als gesunden Test der 200-Tage-Linie, während die fundamentale These durch Zentralbanknachfrage und De-Dollarization intakt bleibt.
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