Entdecken Sie die neuesten Trends und strategischen Einsichten in der September 2026 Ausgabe des «Marktkompass».
Technologieaktien haben nach der scharfen Juli-Korrektur im August eindrucksvoll zurückgefunden. Gleichzeitig hält Fed-Chair Kevin Warsh die Tür für weitere Zinserhöhungen offen, während der ungelöste Nahost-Konflikt den Ölmarkt unter Spannung hält. Mit Blick auf die saisonal anspruchsvolle Phase vor den US-Zwischenwahlen rücken Selektivität und ein kluges Risikomanagement in den Vordergrund.
Tech-Comeback dank KI-Boom – Nach der Korrektur im Juli fanden Technologie- und Halbleiteraktien im August zurück in die Erfolgsspur. Robuste Unternehmenszahlen und die weiterhin hohen Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stärkten das Vertrauen. Nvidia legte im August um +10.0% zu, verdoppelte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf USD 96.2 Mrd. und übertraf mit einem Ausblick von USD 108 Mrd. die bereits hohen Erwartungen. Der S&P 500 gewann +2.6%, der Nasdaq 100 avancierte mit +4.2% noch deutlicher. In Europa fielen die Gewinne bescheidener aus: Der EuroStoxx 50 legte +1.0% zu, während der Schweizer SPI mit -0.3% leicht nachgab – belastet durch die Indexschwergewichte Nestlé (-2.7%), Novartis (-2.6%) und Roche (-0.2%).
Fed bleibt auf der Bremse – Fed-Chair Kevin Warsh nutzte das Notenbanktreffen in Jackson Hole für eine klar restriktive Botschaft. Trotz leicht besserer Inflationsdaten und ersten Abkühlungstendenzen am Arbeitsmarkt betonte er, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem 2%-Ziel liege. Konkrete Hinweise auf den nächsten Zinsschritt vermied er bewusst und bekräftigte seine Abkehr von ausgeprägter Forward Guidance. Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September stieg nach seiner Rede von rund 35% auf knapp 60%. Der Zinsentscheid am 16. September steht nun klar im Fokus.
Nahost-Konflikt belastet Ölmarkt – Im August wechselten sich diplomatische Hoffnungen und erneute Eskalationen ab. Nach gescheiterten Verhandlungen über einen Schifffahrtskorridor durch die Strasse von Hormus griffen US-Streitkräfte iranische Raketenstellungen an, worauf Iran mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien reagierte. Brent stieg wieder über USD 90 je Fass. Der Konflikt bleibt ein wichtiger Risikofaktor – eine erneute Beeinträchtigung der Ölversorgung könnte den Inflationsdruck rasch wieder erhöhen.
Bessents Anleihen-Intervention verpufft – US-Finanzminister Scott Bessent sorgte mit der Ankündigung für Aufsehen, Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Die Renditen fielen zunächst, doch die Wirkung war nur von kurzer Dauer. Der Markt bezweifelt, dass technische Massnahmen die fundamentalen Sorgen über hohe Staatsdefizite und anhaltenden Inflationsdruck nachhaltig kompensieren können.
September-Schwäche als Chance – In Zwischenwahljahren ist der September historisch der schwächste Monat für den S&P 500 mit einem durchschnittlichen Verlust von rund 1.5%. Gleichzeitig bildet diese Schwächephase häufig den Ausgangspunkt für eine kräftige Erholung: Oktober und November verzeichnen im historischen Durchschnitt Kursgewinne von rund 2.4% beziehungsweise 2.2%. Temporäre Rückschläge betrachten wir daher eher als Gelegenheit für selektive Zukäufe.
Ausblick – Mittelfristig bleiben wir für Aktien konstruktiv. Der KI-Investitionszyklus verbreitert sich zunehmend auf Rechenzentren, Strominfrastruktur und Elektrifizierung. Das grösste Risiko sehen wir auf der Anleihenseite: Ein nachhaltiger Ausbruch der langfristigen US-Renditen nach oben könnte Bewertungen unter Druck setzen. Gold bleibt unsere höchste Überzeugung bei alternativen Anlagen – strukturelle Zentralbankkäufe, hohe Staatsverschuldung und geopolitische Risiken stärken den Investment Case. Taktische Positionierung: Cash 2/5, Anleihen 3/5, Aktien 4/5, Alternative Anlagen 4/5.
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